Kunstsammlerin: Alina Zwick

Alina Zwick, geboren 1996, hat sich ihr erstes Tattoo ganz vorbildlich mit 18 Jahren vom ersten eigens verdienten Geld stechen lassen. Ihr erstes Tattoomotiv trägt sie seitlich an den Rippen. Es ist ein typisches erstes Tattoo-Motiv: Ihre Initialien und das Geburtsdatum in römischen Zahlen. Die junge Einzelhandelskauffrau wohnt in der Nähe von Stuttgart und fand das Thema Tattoos schon mit zwölf super interessant. Tätowierungen haben sie seither begeistert und so entschied sie sich dazu, auch ihren eigenen Körper mit etwas Farbe zu verschönern – Alina wurde #kunstsammlerin. Gerade mit eher unliebsamen Körperstellen kann sie sich dank ihrer Tattoos besser anfreunden und findet tätowierte Haut generell schöner als nackte.

Alina Zwick

Hey, Alina! Dein erstes Tattoo ist jetzt drei Jahre alt und seitdem sind noch ein paar hinzugekommen. Würdest du dir dein erstes denn heute wieder so stechen lassen?

Mein erstes Tattoo würde ich mir auf jeden Fall wieder so stechen lassen, aber mein zweites niemals! Auch die zwei kleineren Tattoos an meinen Knöcheln würde ich mir niemals wieder so machen lassen! Ich hätte mich einfach nicht bei der Tätowiererin stechen lassen sollen, aber im Nachhinein ist man wohl immer schlauer.

Hättest du denn vielleicht ein paar Tattoo-Ratschläge, die du vorher gerne gehabt hättest?

Ich hätte am liebsten jemanden an meiner Seite gehabt, der sich ein bisschen auskennt und vielleicht selber tätowiert ist. Ich persönlich habe mich selbst nicht besonders gut informiert, was definitiv ein Fehler war. Man sollte sich erst mal wirklich sicher sein, dass man ein Tattoo möchte und vor allem was und wie es ungefähr aussehen soll. Dann sollte man sich natürlich über die Tattoostudios, die man ausgewählt hat, informieren. Einfach mal vorbeigehen, im Internet die fertigen Tattoos begutachten und sich das Studio genau anschauen. Vielleicht kennt man ja sogar schon Leute, die sich dort tätowiert wurden und kann sich die Tattoos live anschauen und sich mit der Person austauschen. Allein bei der Beratung kann man aber schon merken, ob das Studio das Richtige für einen ist und professionell arbeitet.

Wenn man einen Termin gemacht hat und zum ersten Mal das fertige Motiv sieht, sollte man sich ruhig Zeit lassen. Man sollte sich die Zeichnung ganz genau anschauen und wenn einem etwas nicht gefällt, sollte man es unbedingt ansprechen und mit dem Tätowierer zusammen daran arbeiten, bis es einem zu 100% gefällt. Ich selbst bin jedes mal so aufgeregt und denke dann nicht richtig nach. Dann handle ich oft etwas voreilig, weil ich unbedingt ganz schnell ein neues haben möchte. Also: Lasst euch zeit und denkt gut darüber nach!

Alina Zwick

Klingt auf jeden Fall vernünftig! Wie sieht’s denn mit der Tattoopflege aus? Hast du auch ein paar Tipps zu?

Mein erstes Tattoo habe ich mir im Sommer stechen lassen und war dann kurz danach auch schon wieder im Freibad damit. Das würde ich so jetzt nicht mehr machen und die Pflegetipps der Tattoostudios befolgen. Gerade wenn es ums erste Tattoo geht! Die richtige Pflege des Tattoo macht einfach so viel aus. Man sollte eigentlich immer, auch Jahre danach noch, seine Tattoos pflegen – es ist ja schließlich die eigene Haut.

Stimmt, Hautpflege ist gerade bei tätowierten Personen super wichtig! Nachdem wir nun deine Tipps gehört haben, würden wir gerne wissen, wie dein erster Tattootermin so verlief. Magst du uns mal davon erzählen?

Klar, kann ich machen! Also mein erster Tattootermin war echt sehr aufregend, eben weil ich sehr sehr aufgeregt war. Außerdem war mir total schlecht, weil ich den Schmerz noch nicht kannte und wirklich Angst davor hatte, dass ich es nicht aushalten würde. Dementsprechend war ich null vorbereitet, habe auch leider davor nichts essen können und habe nicht an alles gedacht. Letztendlich war aber alles nur halb so wild. Die Schmerzen waren auszuhalten und als die ersten Striche fertig waren, habe ich über alles gestrahlt und war glücklich.

Na, das hat dann ja eine gutes Ende genommen! War das bei deinen anderen Tattoos auch immer so?

Naja, ich fühle mich jedes mal vor einem neuen Tattoo sehr unwohl und mir ist immer schlecht, sodass ich jedes mal denke “Nein, ich kann doch nicht”, aber ich ziehe es dann immer durch. Sobald ich das Motiv sehe und das Stencil an der richtigen Stelle sitzt, ist die Freude sehr groß und alle Sorgen und Beschwerden sind verflogen.

Alina Zwick

Was hältst du den generell von Partnertattoos?

Partnertattoos finde ich an sich gar nicht schlimm, solange es nur die gleichen Motive sind oder eben Motive, die eine Verbindung miteinander haben. Genau so sehe ich es auch bei Freundschaftstattoos. Ich hätte mir quasi alles tätowieren lassen, aber niemals den Namen der Person. Wenn man mit der Person nicht mehr zusammenlebt, muss man dieses Tattoo dann wenigstens nicht zu sehr bereuen. Wenn es um die Familie geht, finde ich es aber zum Beispiel gar nicht so schlimm, wenn man sich einen Namen tätowieren lässt.

Hast du denn auch schon mal ein Tattoo im Nachhinein bereut?

Ich bereue mein zweites Tattoo. Das große auf meinem Bauch, was man auch oft auf meinem Instagram-Account sehen kann. Ich bereue es erstens, weil ich es eigentlich nicht zu 100% so haben wollte. Ich habe mir einreden lassen, dass es gut so ist und die Tätowiererin ist nicht auf meine Bedenken eingegangen, was mich echt ärgert. Zweitens wurde es sehr sehr schlecht gestochen. Ich wollte es sogar nachgestochen haben, aber die tolle Tätowiererin meinte, da muss man nichts verbessern und es wäre gut so, wie es ist. Habe deshalb natürlich nichts daran machen lassen und laufe bis heute so damit rum. Ich hatte damals einfach keine Erfahrung mit Tattoos und deshalb habe ich das, was die Tätowiererin gesagt hat, eben so hingenommen. Leider. Ein Cover up wird auf jeden Fall demnächst in Planung sein.

Oh man, das klingt wirklich mies. Gerade, wenn man so unerfahren und unsicher ist, sollte die Tätowiererin doch etwas mehr auf einen eingehen… Hast du denn auch positivere Erlebnisse beim Tätowieren machen können?

Bis jetzt habe ich mich immer mit allen anderen Tätowierern richtig gut verstanden und es entstehen immer witzige oder auch ernstere, interessante Gespräche. Ich finde es sehr wichtig, dass man sich mit seinem Tätowierer versteht, sich wohlfühlt und dadurch auch keine Angst hat. Dann ist es auch einfacher zu sagen, wenn etwas stört oder anders gemacht werden sollte. Außerdem wird der Schmerz dadurch auch ein bisschen erträglicher.

Alina Zwick

Die richtige Atmosphäre kann auf jeden Fall zum Wohlbefinden beitragen, stimmt! Dazu fällt mir doch das Thema Conventions ein: Wurdest du schon mal auf einer tätowiert?

Ich persönlich nicht, aber ich war schon ein paar mal dabei, als jemand auf einer Convention tätowiert wurde. An sich habe ich nichts dagegen, sich auf einer Convention tätowieren zu lassen, aber gerade dort sollte man sich die Tätowierer und deren Werke ganz genau anschauen. Denn wenn man sich einen Tätowierer aussucht, der hunderte Kilometer entfernt von einem arbeitet, ist das sehr risikoreich. Wenn etwas nachgestochen werden muss, ist es im Endeffekt eben noch teurer.

Wie weit würdest du denn fahren, um ein Tattoo, das du unbedingt haben möchtest, zu bekommen?

Bis jetzt habe ich noch keinen bestimmten Tätowierer gefunden, von dem ich mir unbedingt ein Tattoo stechen lassen muss. Mit meinen Tattoos bin ich halt auch sehr zufrieden. Aber wenn es mal so sein sollte, dann würde ich auf jeden Fall alles dafür tun, dort hinzukommen. Egal ob ich fliegen muss oder auch mal stundenlang mit dem Auto oder der Bahn unterwegs bin!

Gute Einstellung! Gibt es denn ein Tattoo an dir, das du als Liebling bezeichnen würdest?

Also an erster Stelle steht mein Totenkopf an der Schulter, da er einfach mega gut gestochen ist. Außerdem ist er der Start meines Sleeves, welcher zwar noch nicht ganz fertig, aber jetzt schon super schön ist!

Alina Zwick

Mein anderes Lieblingstattoo ist das auf meinem Rücken. Es ist eines meiner Lieblinge, weil meine beste Freundin und ich es zusammen geplant und stechen lassen haben. Es hat für uns beide eine große Bedeutung, da es mitunter für unsere langjährige Freundschaft steht.

Alina Zwick

Bekommst du denn auch oft Kommentare anderer zu deinen Tattoos?

Beim Schwimmen oder im Fitnessstudio, eben da, wo man meine Tattoos sehen kann, wurde ich schon oft angesprochen. Meistens finden die Leute meinen Totenkopf richtig gut und fragen dann, wo ich da war und so. Meistens kamen dadurch dann echt tolle Gespräche zustande. Wenn man sonst immer schräg angeschaut wird, sind solche Komplimente und Gespräche wirklich Balsam für die Seele.

Also hast du auch schon unangenehme Erlebnisse aufgrund deiner Tattoos gehabt?

Also mit Freunden hatte ich bisher noch kein unangenehmes Erlebnis. In der Arbeit bis jetzt auch noch nicht, da ich meine Tattoos jeden Tag überdecke und verstecke. In der Familie kamen schon oft echt blöde Kommentare von Verwandten, die eben nicht so begeistert von Tattoos sind. Vor allem finde ich es unangenehm, wenn meine Eltern irgendwo in einem Gespräch erwähnen müssen, wo ich überall Tattoos habe und dann will natürlich jeder die Tattoos sehen und dann kommen erst recht immer blöde Kommentare. Mittlerweile kann ich da sehr gut drüber stehen, jedes Wort geht rein und ganz schnell wieder raus, aber es nervt einfach immer auf die Tattoos, die Piercings oder die Haarfarbe reduziert zu werden.

Alina Zwick

Wie sieht es denn mit Vorurteilen gegenüber Tätowierten aus? Welche nerven dich besonders und mit welchen wurdest du bereits konfrontier?

Mich nerven generell die Vorurteile, dass man als kriminell, asozial, ungepflegt und schlechter Mensch dargestellt wird. Vor allem im Schwimmbad wird man oft ohne Ende angestarrt, Leute reden so laut über einen und dann nur schlecht. Bei mir sind sogar mal alle aus einem Whirlpool gegangen, als ich rein wollte.

Oder beim Ausgehen: Allgemein wird man wohl als Frau in Bars oder Clubs häufig belästigt. Ich habe aber schon oft (auch bei mir) mitbekommen, dass man wegen der Tattoos sofort abgestempelt wird. Als tätowierte Frau ist man eine, die natürlich alles mitmacht, auf jeden eingeht und die nur auf Spaß aus ist. Zu mir wurde auch mal gesagt, dass ich so, wie ich rumlaufe, niemals einen richtigen Mann mit richtigen Absichten finden werde und ich selbst daran Schuld bin.

Auf der Arbeit ist es auch nicht so einfach. Ich glaube auch die meisten meiner Kunden, die im Rentenalter sind, würden sich nicht mehr von mir beraten lassen wollen, wenn sie wüssten, dass ich Tattoos habe und den Gedanken finde ich echt traurig. Ich hoffe natürlich, dass sich daran etwas ändert, aber ich wüsste ehrlich gesagt nicht wie.

Das klingt wirklich nicht schön, gerade die Sache mit dem Whirlpool ist total daneben. Verrückt, dass Menschen, die einen aufgrund von Äußerlichkeiten so herabwürdigen, sich dabei auch noch im Recht sehen. Für uns sind Tattoos Kunst und sollten auch als solche angesehen werden. Was meinst du?

Tattoos sind für mich zu 100% Kunst. Kunst, die halt auf menschlichen Leinwänden ist. Ich finde es faszinierend, Tattoos von anderen zu sehen, weil Tattoos einfach der Spiegel zur Seele sind. Auch wenn manche Tattoos keine Story haben, aber man sieht einfach auf dem Körper, was der Person gefällt. Kunst bedeutet für mich kurz und knapp frei sein – ich selbst sein.

Schöne Worte zum Abschluss! Es freut uns, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten. Danke dafür!

Danke auch euch für die tolle Möglichkeit!

Alina Zwick bei Instragram: