Ove Skog „Doc Forest“: Schwedens Tattoo-Pionier

Ein schwedischer Tausendsassa: Er konstruierte Hot Rods, Gitarren und Tattoo-Maschinen – und wurde zu einem der wichtigsten Tattoo-Pioniere des Landes.
Ove "Doc Forest" Skog / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig
Ove „Doc Forest“ Skog / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig


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Jan Ove Gunnar Skog, geboren am 7. Juli 1944, war, wie es im Nachruf seiner Familie heißt, ein Tausendsassa. Er war in Schweden als Konstrukteur von Hot Rods, Gitarren und Tattoo-Maschinen bekannt. Zudem arbeitete er als Designer von Bekleidung und gilt bis heute als einer der wichtigsten Tattoo-Pioniere des Landes.

Zum Gedenken an Ole Skog möchte ich euch einen kleinen Einblick in sein bewegtes und farbenfrohes Leben geben. Seine Laufbahn zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig und prägend seine Arbeit war.

Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig
Ole Skog beim Tätowiertwerden von Darrell ‚Doc‘ Price. / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig

Frühe Begegnung mit Tattoos

Als Ove Skog während seiner Schulzeit erstmals von Tätowierungen hörte, war er sofort begeistert. Er begann, sich selbst und einige Klassenkamerad*innen mit zusammengebundenen Nähnadeln und Tusche zu tätowieren. Diese frühen Versuche markierten den Beginn seiner lebenslangen Verbindung zur Tattoo-Kunst. Schon hier zeigte sich sein handwerkliches Interesse und seine Experimentierfreude.

Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig
Ole Skog in seinem Tattoo-Studio. / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig

Reisen und erste Technik

Im Frühjahr 1961 heuerte Skog als Seemann an, und das Tätowieren begleitete ihn auf seinen Reisen. Einige Jahre lang arbeitete er mit drei Nadeln, die er an einem Bleistiftgriff befestigt hatte. In Sri Lanka traf er zufällig auf einen Tätowierer, der bereits mit Maschine und Farben arbeitete.

Diese Begegnung wurde für Skog entscheidend, da er die Adresse eines US-amerikanischen Lieferanten erhielt. So konnte er erstmals professionelles Equipment bestellen und seine Technik weiterentwickeln.

Der Weg zur Selbstständigkeit

1968 heuerte Skog ab und traf bald darauf den schwedischen Tattoo-Fan Alvar Blomqvist, der ihn fortan unterstützte. Dennoch hatte Skog Schwierigkeiten, sich als Tätowierer frei zu entwickeln. Tätowierungen waren zu dieser Zeit auch in Schweden noch stark negativ behaftet.

Gleichzeitig hüteten viele Tätowierer*innen ihre Berufsgeheimnisse sehr streng. 1971 reisten Blomqvist und Skog gemeinsam durch Europa und besuchten mehrere Tätowierer*innen, um sich auszutauschen und weiterzubilden.

"Painless" Jeff Baker vor dem Studio von Ove Skog. 1979. / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig
„Painless“ Jeff Baker vor dem Studio von Ove Skog, 1979. / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig

Studio „Doc Forest“

Im Zuge dieser Reisen prüften sie auch, ob Tätowieren in Schweden ausdrücklich verboten war, was sich nicht bestätigte. Ein solches Vorhaben musste jedoch trotzdem von der staatlichen Gesundheitsbehörde geprüft werden. Nach erfolgreicher Prüfung eröffnete Skog am 5. Mai 1972 in Aspudden bei Stockholm das Tattoo-Studio „Doc Forest“.

Seinen Künstlernamen übernahm er teilweise von einem amerikanischen Tätowierer, der sich „Doc“ nannte. „Forest“ ist eine Übersetzung seines Nachnamens Skog.

Ove Skog "bei der Arbeit" Okt. 1978
Ove Skog „bei der Arbeit“ im Oktober 1978. / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig

Einfluss aus Japan

1973 wurde Skog zusammen mit etwa neunzig internationalen Tätowierenden zu einer Tattoo-Ausstellung nach Tokio eingeladen. Er war jedoch der Einzige, der die Einladung annahm. Das brachte ihm bei den japanischen Tätowierenden großen Respekt ein.

Die Reise wurde für ihn besonders prägend, da er zahlreiche japanische Motive mit nach Schweden brachte. Diese setzte er bereits in den 1970er Jahren großflächig ein und kombinierte sie teilweise mit anderen Stilrichtungen.

Tattoo-Treff in Hamburg 1975
Tattoo-Treff in Hamburg, 1975 / Bereitgestellt von Willy Robinson, Fotograf unbekannt / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig

Szene und Conventions

1975 nahm Skog am Tattoo-Treff in Hamburg teil, zu dem Theodor Vetter („Tattoo Theo“) eingeladen hatte. In den Folgejahren war Skog auf beinahe jeder Convention in Europa und den USA vertreten.

Tattoo-Treff in Hamburg 1975
Tattoo-Treff in Hamburg, 1975 / Bereitgestellt von Willy Robinson, Fotograf unbekannt / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig

Dort fiel er nicht nur durch seine Arbeiten auf, sondern auch durch seine markante Kleidung. Diese entwarf er selbst, lange bevor Marken wie „Ed Hardy“ auf den Markt kamen und populär wurden. Skog war damit auch stilistisch eine prägende Figur der Szene.

Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig
Skog brachte Tattoo-Motive nicht nur auf Haut, sondern auch auf Kleidung. / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig

Hygiene und Standards

In den 1980er Jahren wuchs das gesellschaftliche Interesse an Tattoos deutlich. Gleichzeitig breitete sich das HI-Virus auch in Schweden aus. Skog machte sich daraufhin große Sorgen um die Hygiene in der Branche und um die Gesundheit seiner Kund*innen.

So nahm er Kontakt mit dem Nationalen Amt für Gesundheit und Wohlfahrt Schwedens auf, um professionelle Vorschriften zu entwickeln. Mitte der 1980er Jahre entstanden in Schweden neue Regelungen, an denen er maßgeblich beteiligt war.

Gästebuch des Tattoo-Treff 1975 in Hamburg
Gästebuch des Tattoo-Treffs 1975 in Hamburg (Dank an Willy Robinson Tattoo Museum). / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig

Medizinische Tätowierung

1991 wurde Skog von der Karolinska-Klinik kontaktiert, die eine Methode zur Tätowierung von Brustwarzen bei Brustkrebspatient*innen erproben wollte. Skog übernahm diese Technik und setzte sie in Schweden erfolgreich um.

In den späten 1990er Jahren hielt Skog zudem Seminare für Studierende der Dermatologie. Dort vermittelte er sein Wissen über medizinisches Tätowieren. Auch in diesem Bereich leistete er wichtige Pionierarbeit.

Lars Wellström, Tattoo by Ove "Doc Forest" Skog. / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig
Lars Wellström mit seinem Frontpiece von Ove „Doc Forest“ Skog. / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig

Engagement für den Beruf

Ove Skog war 1991 Mitgründer der SPT (Swedish Professional Tattooists) in Västerås. Diese Vereinigung wurde später neu organisiert und 2007 als SRT (Sveriges Registrerade Tatuerare, dt. Registrierte Tätowierer Schwedens) eingetragen.

Bereits 1998 setzte sich Skog dafür ein, ein offizielles Berufsbild für Tätowierende beim schwedischen Handwerksrat zu etablieren. Dieses Engagement zeigte, wie wichtig ihm die Anerkennung und Professionalisierung des Berufs war. Seine Arbeit wirkte somit weit über sein eigenes Studio hinaus.

Lars Wellström, Tattoo by Ove "Doc Forest" Skog. / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig
Lars Wellström mit seinem Backpiece von Ove „Doc Forest“ Skog. / Bild: Manfred Kohrs / Digitale Aufbereitung: Feelfarbig

Späte Jahre und Vermächtnis

2014 beschloss Skog, sein Leben etwas ruhiger zu gestalten und sich stärker auf seine Hobbys zu konzentrieren. Dazu gehörten weiterhin der Bau von Hot Rods, Gitarren und Tätowiermaschinen.

Leider konnte er diese Phase nur kurz genießen, denn Ove Skog verstarb am 25. Juni 2018 nach langer Krankheit. Sein Studio wird bis heute in seinem Sinne von seinem Schwiegersohn und ehemaligen Lehrling Valter weitergeführt.

Ove Skog auf der Tattoo Convention in Amsterdam 1979. Bild: H.H. Streckenbach
Ove Skog 1979 auf der Tattoo Convention in Amsterdam. / Bild: H.H. Streckenbach

Persönliche Erinnerung

Ich habe ihn als freundlichen und hilfsbereiten Kollegen kennengelernt. Er war stets offen für Austausch und Unterstützung. Für viele galt er als wichtiger Wegbereiter der modernen Tattoo-Szene in Schweden und darüber hinaus.

Sein Engagement für Qualität und Professionalität wirkt bis heute nach. Ove „Doc Forest“ Skog bleibt als prägender Pionier der Tätowierkunst in Erinnerung.


Erscheint bald: „Tattoo History No. 2“

Manfred Kohrs - Tattoo History No. 2

Diesen und weitere Artikel zur Tattoo-Geschichte findet ihr auch in „Tattoo-History No. 2“ von Manfred Kohrs. In Teil zwei der Heftserie „Tattoo-History“ werden die Zusammenschlüsse und Organisationen von Tätowierenden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beleuchtet. Vom kleinen Wohnzimmer-Club der 1950er Jahre bis zu den heute bundesweit agierenden Vereinen war es ein langer Weg.

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