Kunstsammlerin: Christin B.

Diesmal haben wir uns für die Reihe „Kunstsammler“ mit Christin unterhalten. Die 23 Jahre alte Leipzigerin arbeitet als staatlich anerkannte Erzieherin und teilt hier ihre Geschichten rund ums Thema Tattoo mit uns.

Hey, Christin! Fangen wir gleich an: Wann und wie trat das Thema Tattoos in dein Leben?

Grundsätzlich habe ich schon sehr früh damit begonnen, mich für „Body Modifications“ und Tattoos zu interessieren – besonders da mein Vater welche hat und mir zu jedem Einzelnen eine Geschichte erzählen konnte. Und genau das wollte ich für mich selbst auch: Kunstwerke, die niemand sonst so hat – verbunden mit einer Geschichte, die nur ich so erlebt habe. Quasi mein eigenes Kunstwerk mit Geschichte für mich selbst. Mein erstes Tattoo habe ich dann im Juli 2015 mit 21 Jahren bekommen.



Viele bereuen ihr erstes Tattoo im Nachhinein, oder würden es heute zumindest anders machen. Wie sieht es da bei dir aus?

Ich habe daran nichts auszusetzen. Es ist schließlich für einen ganz besonderen Menschen: meine Schwester. Ich finde es perfekt! Und auch meine anderen Tattoos liebe ich noch wie am ersten Tag!

Christins erstes Tattoo
Christins erstes Tattoo

Gibt es etwas, dass du gerne vor deinem ersten Tattoo schon gewusst hättest?

Ehrlich gesagt fallen mir da so einige Dinge ein. Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass ich mein Tattoo oft nicht genug gepflegt habe und es dadurch sehr trocken geworden ist. Auch die Farben schienen deshalb etwas verblasst. Nun pflege ich meine Tattoos täglich mit einer sehr feuchtigkeitsspendenden und natürlichen Creme von LUSH cosmetics. Dadurch strahlen die Farben wie frisch gestochen! Welche Creme für mich beim Abheilen wirklich gut und hilfreich ist, habe ich jedoch selbst bis heute noch nicht wirklich herausgefunden.

Stimmt, mit simpler Hautpflege kann man aus Tattoos doch noch mehr rausholen! Zurück zum ersten Tattoo: Erzähl uns doch mal von deinem Termin!

An dem Tag, an dem ich mein erstes Tattoo bekommen habe, war ich schon sehr aufgeregt. Ich bin mit meiner besten Freundin in eine für uns fremde Stadt gefahren. Wir hatten keine Orientierung und wussten nicht, ob wir es noch rechtzeitig zu meinem Tattootermin schaffen würden. Ich wurde immer nervöser und nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit mit dem Handy-Navi herumirrten, sahen wir endlich das Tattoostudio. Als wir davorstanden, hörte ich bereits das Surren der Nadeln. Mein Herz ist mir fast in die Hose gerutscht. Als ich dann auf dem Stuhl saß und die Zeichnung sah, konnte ich mich ein wenig entspannen. Dann ging es auch schon los und ich spürte die Nadel auf meiner Haut. Der Schmerz war gar nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mein Handy hat mich aber auch extrem davon ablenken können. So wirklich beschreiben kann ich diesen Schmerz bis heute nicht.

Gab es bei dir denn generell mal ein unangenehmes Ereignis beim Tätowieren?

Also in manchen Studios ist die Sichtabtrennung nicht immer so, wie man es sich wünschen würde. Das ist schon manchmal etwas unangenehm, wenn man von allen beobachtet werden kann. Ganz besonders dann, wenn man an freizügigeren Stellen tätowiert wird.

Ohje, das klingt tatsächlich eher unangenehm. Was hast du denn für schöne Momente wegen deiner Tattoos erleben können?

Schön war zum Beispiel, als ich meiner Schwester die Tätowierung gezeigt hab, die ihr gewidmet ist. Ich bin quasi direkt vom Tätowierer aus zu ihr gefahren und sie wusste von nichts. Zuerst war sie geschockt, hat sich dann aber total gefreut!

Gab es denn auch weniger schöne Erlebnisse aufgrund deiner Tattoos?

Das Unangenehmste, was mir passiert ist, war in der Straßenbahn. Ein älterer Mann schaute mich von oben bis unten an. Als er dann damit fertig war, warf er mir einen angewiderten Blick zu und ließ dann noch einen frechen, unangebrachten Satz ab.

Geht gar nicht! Wie sieht deine Meinung zu solchen Vorurteilen aus?

Am meisten stört mich, dass viele Menschen behaupten, Tätowierte sein meist asozial und ungebildet. Diese Vorurteile ließen sich vielleicht ändern, wenn das menschliche Zusammenleben offener wäre und nicht jeder sein Gegenüber innerhalb von Sekunden verurteilen würde.

Das ist wohl wahr. Themenwechsel: Welches deiner Tattoos magst du am liebsten?

Für mich gibt es kein Lieblingstattoo an mir. Jedes ist auf seine Art und Weise schön und erzählt eine eigene Geschichte.

Und gibt es Motive oder Körperstellen, die für ein Tattoo bei dir nicht in Frage kommen?

Ich würde mir zum Beispiel nie Namen oder Dinge, mit denen ich mit nicht identifizieren kann, stechen lassen. Außerdem bleiben meine Achseln wohl eher tattoofrei, da ich schon mehrmals gehört habe, dass der Schmerz an dieser Stelle doch außerordentlich extrem ist.

Wie sieht’s mit Partnertattoos aus?

Die finde ich nicht schlimm, solange es sich nicht um die Namen handelt oder die Tätowierungen nur zusammen einen Sinn ergeben.

Sehen wir auch so! Erzähl uns doch mal, wie dein Umfeld auf deine Tattoos reagiert?

Mein Vater und meine Schwester sind beide tätowiert. Das fand ich auch schon immer echt toll und inspirierend! Auch viele meiner Freunde haben Tattoos. Generell bekomme ich von meinem Umfeld positive Resonanz, was ich wirklich schön finde.

Würdest du für ein Tattoo auch mal einen weiteren Weg auf dich nehmen?

Wenn ich es UNBEDINGT haben möchte und schon ganz lange darauf warte, würde ich auch mal ein paar Stunden Fahrt auf mich nehmen. Umso mehr freue ich mich dann, wenn ich das Tattoo habe!

Klingt logisch! Gibt es denn ein Motiv, das noch unbedingt unter deine Haut muss?

Da ich ein „kleiner“ Harry Potter Fanatiker bin, fehlt mir definitiv noch ein Hedwig-Tattoo!

Wie sieht für dich die Suche nach einem neuen Tattoomotiv aus?

Ich habe spontan eine Idee und schaue dann auf Seiten wie Instagram, Pinterest oder Ähnlichem, ob es sowas in die Richtung bereits gibt. Wenn nicht, dann frage ich meinen Tätowierer, ob mein Wunsch überhaupt realisierbar ist. Ob es dann auch meinen Vorstellungen entspricht, zeigt sich am Ende, wobei es oft noch einige Abänderungen geben muss, bis ich es wirklich perfekt finde.

Wir sagen: Tattoos sind Kunst! Was sagst du?

Tattoos sind Kunst für mich, denn jedes Tattoo ist ein Unikat.

Zum Abschluss noch: Was wünschst du dir für die Zukunft der Tattooszene in Bezug auf deren öffentliche Darstellung?

Ich würde mir wünschen, dass die Künstler auch als solche anerkannt werden und nicht ständig nur gesagt wird, welche „Konsequenzen“ Tattoos in unserer Gesellschaft haben. Egal ob in Bezug auf Karriere oder gesellschaftliches Zusammenleben.

Super Statement zum Schluss! Danke dir, Christin!

Christin trägt Kunstwerke von folgenden Tätowierern auf der Haut:
instagram.com/chris.aka.hckbnt, instagram.com/monotones.brudi

Christin bei Instragram @wildnisimherzen: