Kunstsammlerin: Margarita von Friesen

Für diese Ausgabe #Kunstsammler stand uns die 1993 geborene Margarita von Friesen Rede und Antwort. Die in Nordrhein-Westfalen lebende Retail Managerin hat ziemlich früh mit Tattoos angefangen und erzählt uns von ihren alltäglichen Erfahrungen als Kunstsammlerin.

Margarita von Friesen
Foto: Katja Apfelbaum – instagram.com/katjapfelbaum


Hey Marge, wann und warum ging’s denn bei dir los mit Tattoos?

Mein erstes Tattoo habe ich – nach ewig langem Betteln – kurz nach meinem 17. Geburtstag bekommen. Tattoos fand ich schon immer toll und mir war klar, dass ich irgendwann auf jeden Fall welche haben möchte! (Damals, so zwischen 7-10 fand ich Arschgeweihe und Delfine ziemlich nice… :D). Das erste Motiv wurde ein Diamant an der Leiste, ursprünglich wollte ich ihn auf der Brust haben aber da hat sich meine Mom dann (zum Glück) doch quergestellt. Das Motiv habe ich gewählt, da ich zu dem Zeitpunkt noch in meiner „Emo/Scene“ Phase war und grundsätzlich ALLES mit Diamanten haben musste (natürlich auch wegen BMTHs “Diamonds aren’t forever”, haha). Ob ich es mir heute wieder genauso stechen lassen würde, weiß ich nicht. Wenn, dann wahrscheinlich eher ein bisschen gröber, mit dickeren Linien und mehr Farbe.

Was sind denn deine Tipps für Tattoo-Einsteiger?

Vor dem Termin reichlich schlafen und essen. Grade wenn man nervös ist, macht der Kreislauf gerne mal schlapp und die Schmerzen werden (meines Empfindens nach) stärker. Außerdem wichtig: lange genug Zeit nehmen, um sich den/die richtige/n Tätowierer/in rauszusuchen. Außerdem sollte man sich bewusst sein, dass gute Arbeit nun mal kostet und am falschen Ende sparen – gerade bei Tätowierungen – nicht sonderlich viel Sinn macht. Sympathie spielt meiner Meinung nach auch eine große Rolle!

Margarita von Friesen
Foto: Katja Apfelbaum – instagram.com/katjapfelbaum

Tolle Tipps! Unterschreiben wir so. Wie verlief dein erster Tattootermin? Ist etwas Außergewöhnliches passiert?

Mein erster Tattootermin verlief relativ entspannt. Ich kannte das Studio und das Team, da sich dort schon Freunde von mir haben tätowieren lassen. Aufgeregt war ich natürlich trotzdem! Schmerztechnisch war es dann sehr entspannt, ich hatte mich auf Schlimmeres vorbereitet. Das einzig Ärgerliche war, dass ich am Ende mehr bezahlen sollte, als im Vorfeld besprochen. Darauf war ich nicht vorbereitet und musste somit nochmal zur Bank rennen.

Klingt insgesamt ja nach ner guten ersten Erfahrung. Musstest du danach denn auch mal negative Erfahrungen machen?

Ich hatte tatsächlich mal eine Pechsträhne mit einem Tätowierer. Der erste Termin war schon super seltsam und als ich dann zum Folgetermin erschienen bin, habe ich von seinen Kollegen erfahren, dass er gerade im Urlaub wäre. Daraufhin hab ich ihm bei Facebook geschrieben und laut seiner Aussage “wird die Mail dann untergegangen sein und ich solle mich doch nicht aufregen, weil ich ja eh nichts mehr bezahlen müsste”. Habe dann relativ kurzfristig einen Nachholtermin bekommen, bei dem er dann plötzlich doch wieder Geld sehen wollte. Habe ihm dann seine Nachricht gezeigt und somit war die Sache gegessen. Das Tattoo habe ich dann paar Jahre später nochmal teilweise überarbeiten lassen, da ich nicht zu 100% zufrieden war.

Oh man, klingt tatsächlich super bescheuert. Du sagst, dass du nicht richtig zufrieden mit dem Tattoo warst. Ist das eine Ausnahme geblieben? Und gibt es Tattoos, die du dir generell nicht stechen lassen würdest?

Bereuen tue ich eigentlich keins meiner Tattoos. Allerdings denke ich, dass ich manche Motive von anderen Künstlern hätte umsetzen lassen sollen. Manche Tattoos stinken qualitativ einfach gegen die anderen Sachen ab. Generell gibt es keine Stelle an meinem Körper, die ich kategorisch ausschließe, vor allem weil ich ja schon fast überall welche habe. Motive, die ich nicht wählen würde, sind Realistic Tattoos (einfach weil ich nicht drauf stehe) und Namen.

Margarita von Friesen

Gab es denn schon mal Situationen, wo du aufgrund deiner Tätowierungen irgendwie anders behandelt wurdest als üblich?

Eine der unangenehmsten Situationen war, als ich einer Kundin weiterhelfen wollte und sie ihre Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hat und aus dem Laden gerannt ist, während sie geflucht hat. Oder als eine Kundin meinte: “Das ist ja schön, dass auch Leute wie Sie Arbeit bekommen”. Da ist mir dann auch erstmal alles aus dem Gesicht gefallen.

Grundsätzlich finde ich es auch super unangebracht, dass fremde Leute einem ständig ihre Meinung zu Tattoos unter die Nase reiben wollen. Mal im Ernst, das interessiert mich einen feuchten Furz und es nervt einfach nur. Auch penetrantes Gaffen, Hinterherpfeifen oder dumm Anbaggern geht gar nicht. Die Leute meinen scheinbar wirklich, dass das okayer ist, wenn man “anders” aussieht. Das geht manchmal so weit, dass ich bewusst Klamotten anziehe, die weniger Tattoos zeigen. Ich möchte das nicht komplett auf Tattoos schieben, aber es wurde mit der Zeit immer heftiger.

Manche Menschen hängen leider echt noch an solchen Vorurteilen fest, total absurd. Was ist denn dein schönstes Erlebnis im Bezug auf Tattoos gewesen? Oder erzähl uns doch generell von deinen positiven Erfahrungen.

Die schönsten Tattoo-Erlebnisse sind zum Beispiel meine Freundschaftstattoos. Eins davon habe ich mit einer Freundin, die ich leider nur 1-2 mal im Jahr sehe, da sie in Portugal lebt. Das Andere mit einem Freund (der Tätowierer ist), den ich sehr lieb habe. Beide Motive wurden jeweils am gleich Tag hintereinander weg tätowiert.

Bei der Arbeit freue ich mich vor allem über positives Feedback von Kunden/innen, die anfangs etwas scheu oder skeptisch mir gegenüber waren. Außerdem ist es ein super Erkennungsmerkmal, wenn mich Stammkunden/innen weiterempfehlen möchten, die sagen dann einfach “die mit den großen Ohren und vielen Tattoos” :‘D. Besonders süß finde ich es aber, wenn ältere Kunden/innen mir Komplimente machen und total fasziniert sind :). Das ist auf jeden Fall ein gutes Gefühl, dass ich da ein wenig gegen Vorurteile angehen kann!

Margarita von Friesen
Foto: Timothy O’Sweebe – instagram.com/oh.sweebe


Das freut uns! Dann überwiegen die positiven Erfahrungen hoffentlich! Kommen wir auch schon zur Abschlussfrage: Sind Tattoos für dich Kunst?

Klar sind sie Kunst für mich. Ich sehe meine Haut als Leinwand, die ein bisschen bemalt wird. Auf der sich verschiedene Leute verewigen, die bestimmte Zeiten im Leben repräsentieren, oder die Erinnerungen an verschiedene Orte hervorrufen. Nicht, dass meine Tattoos Bedeutungen hätten, aber man verbindet ja trotzdem etwas damit oder mit der Person die es tätowiert hat.

Dann wünschen wir dir auf jeden Fall noch viele weitere bunte Erinnerungen und danken dir für deine Zeit! :)

Danke auch!

Margarita von Friesen
Foto: Timothy O’Sweebe – instagram.com/oh.sweebe

Margarita von Friesen trägt Kunstwerke von Tobias Tietchen, Luis Marquardt, Mark Halbstark, Robert Tatu, Vera Ickler, Niclas Hecht, Cedric Weber und Max Ludwig.

Margarita von Friesen bei Instragram:

Titelfoto: Katja Apfelbaum – instagram.com/katjapfelbaum