Kunstsammlerin: Lena Sophie Köpf

Lena Sophie Köpf, dem ein oder anderen vielleicht von Instagram bekannt (@lenasooph), erblickte 1995 die Welt und lebt in Ludwigsburg. Die mittlerweile gelernte Bankkauffrau hat sich ebenfalls Zeit genommen, um mit uns über ihre Tattoo-Erfahrungen zu sprechen!

Lena Sophie Köpf

Hey Lena, fangen wir doch ganz vorne an: Wie ging es bei dir los mit den Tattoos?

Mein erstes Tattoo habe ich zwei Tage nach meinem 18. Geburtstag bekommen. Meine Mutter und meine Schwester waren dabei, weil ich so eine Angst davor hatte. Bereits als Teenie hat mir der Look gut gefallen und ich wollte damals schon Tattoos haben. Meine Eltern haben es mir zum Glück nicht erlaubt, sonst hätte ich jetzt einige Tattoos, die mir nicht mehr gefallen würden. Für mich war aber klar, dass ich mich tätowieren lasse, sobald ich 18 bin.

Auch mein Umfeld ist bunt gemischt. Einige sind ziemlich tätowiert, andere gar nicht. Aber allen gefallen meine Tattoos eigentlich. Auch meine Eltern finden es okay. Meiner Mutter mag Tattoos total und mein Vater sagt, das sei meine Entscheidung. Das finde ich auch sehr wichtig.


Lenas erstes Tattoo
Lenas erstes Tattoo

Würdest du dir denn das erste Tattoo heute wieder so stechen lassen?

Nein. Ich habe einen Spruch auf dem Unterarm, so wie viele als ihr erstes Tattoomotiv. Hinter der Bedeutung stehe ich nach wie vor, aber die Stelle und den Stil würde ich mir so nicht nochmal stechen lassen. Aber es gibt definitiv schlimmere erste Tattoos. Es ist französisch und bedeutet „Blut ist dicker als Wasser“. Französisch nur, weil es cooler aussah als deutsch. Ich glaube, das Sprichwort gibt es im Französischen garnicht. Irgendwie dämlich.

Oft macht man sich ja vor dem ersten Tattoo noch nicht so viele Gedanken. Was rätst du Einsteigern?

Sich am Anfang nicht gleich die besten Stellen stechen zu lassen. Man braucht etwas Zeit, um seinen Stil zu finden (war zumindest bei mir so) und dann ist es doof, wenn die besten Stellen schon vergeben sind. Ach ja, und dass man sich nicht so einen Stress machen darf, was den Schmerz betrifft! So schlimm ist es gar nicht. Ich hab’ mir fast in die Hose gemacht und das war total unbegründet. Und Walk-In Shops würde ich nicht empfehlen. Lieber einen Artist, den man wirklich gut findet, der seine eigenen Motive zeichnet und nicht nur mit Vorlagen arbeitet.

Lena Sophie Köpf

Abgesehen von fertigen Vorlagen: Gibt es noch etwas, dass du dir nie stechen lassen würdest?

Ein Wasserfarben-Tattoo. Einfach nur, weil ich das schrecklich finde. Aber jedem das seine!

Und wie stets mit Partnertattoos?

Ich habe selbst eins und finde das überhaupt nicht schlimm, solange es nicht gerade der Name der Person ist. Auch wenn ich inzwischen nicht mehr mit der Person zusammen bin, bereue ich es überhaupt nicht. Tattoos sind für mich nicht nur Schmuck, sondern erzählen auch meine Geschichte. Zu der Zeit hat es gepasst und so wie mein Ex-Freund ein Teil meines Lebens ist, ist es auch das Tattoo.

Lena Sophie Köpf

Schön, dass du es nicht bereust. Gilt das für all deine Tattoos?

Ja, so richtig bereuen tue ich keins meiner Tattoos. Es gibt ein paar, die ich mir nicht nochmal stechen lassen würde. Aber bereuen bringt ja nichts: Auf meiner Haut ist es ja trotzdem. Zu der Zeit als ich es mir stechen lassen habe, wollte ich es und dadurch hat es seine Geschichte. Deswegen gehören alle Tattoos zu mir, das ist wie eine Sammlung aus Erinnerungen. Das ist ein bisschen so, wie wenn man alte Fotos von sich sieht. Man findet sie scheiße, aber irgendwie auch cool, weil es damals eben so war.

Fotos bedeuten einem manchmal etwas. Wie sieht es bei Tattoos für dich aus? Muss jedes auch eine Bedeutung haben?

Ich finde, dass jedes Tattoo eine Bedeutung hat. Jedes Motiv hat ja irgendeinen Zusammenhang mit meiner Persönlichkeit. Ob das jetzt was Tiefsinniges ist oder mir ein Motiv einfach nur gefällt. Ich glaube irgendwie, dass Leute, die sich vermeintlich total tiefsinnige Tattoos stechen lassen, das nur als Ausrede nehmen, um sich überhaupt tätowieren zu lassen. Meine Mutter heißt Gundula, auch wenn ich mir das nicht unter die Haut stechen lasse. Im Endeffekt hat man doch eben einfach nur Bock auf ein Tattoo. Zumindest ist das bei mir so gewesen. Bei meinen ersten zwei oder drei Tätowierungen habe ich mir auch noch mehr Gedanken gemacht, aber inzwischen mache ich mir da keinen Stress mehr, auf Teufel komm raus eine tiefsinnige Bedeutung hineinzuinterpretieren.

Lena Sophie Köpf

Apropos Stress: Zum welchem Artist willst du noch unbedingt?

Ich finde die Arbeiten von Guy le Tatooer mega krass. Von ihm hätte ich gerne ein Tattoo, aber er kommt nicht aus Deutschland und ich bin bisher noch nie extra für ein Tattoo irgendwo hingereist. Außerdem bin ich super zufrieden mit meinem Tätowierer, da stimmt einfach alles. Deswegen werde ich ihm treu bleiben! :)

Welche Tattoostile gefallen dir denn eigentlich am besten?

Mir gefallen zumindest an mir selbst nur schwarze Tattoos, also Blackwork. Farben kommen mir nicht unter die Haut. So passt es immer alles zusammen, verblasst nicht so und man muss sich farblich nicht so festlegen. Schwarz ist einfach zeitlos.

Hast du mal bei einem Termin etwas besonderes erlebt?

Einmal habe ich mich spontan in London tätowieren lassen. Wir saßen draußen auf der Straße, hatten irgendwie Lust auf ein Andenken aus London und genau vor uns war zufällig ein Tattoostudio. Wir sind da reingegangen und vor uns stand plötzlich Grace Neutral, eine sehr bekannte Stick and Poke Tätowiererin, die ich mega feiere. Das war auf jeden Fall speziell. Wir wurden dann am nächsten Tag auch dort tattoowiert, leider nicht von ihr, aber ein Erlebnis war es trotzdem.

Lena Sophie Köpf

Ach, wie schade. Da man Grace aber ja definitv als Künstlerin bezeichnen kann: Sind Tattoo Kunst für dich?

Auf jeden Fall! Auf der einen Seite steckt hinter jedem Tattoo natürlich ein Künstler, der das Motiv zeichnet, allein deswegen ist es schon Kunst. Außerdem finde ich die Art und Weise, wie das Tattoo dann mit der Haut verschmilzt und quasi Teil meines Körpers wird, pure Kunst. Und das Gesamtbild, die Vorstellung, dass mein Körper eine große Sammlung von einzelnen Kunstwerken ist, so wie es kein anderer hat. Meine Tattoos erzählen meine persönliche Geschichte, aber man kann sie nicht direkt lesen, weil keiner weiß, was hinter den einzelnen Motiven steckt.

Lena Sophie Köpf

Manche glauben aber zu wissen, was hinter ihnen steckt: Das Böse! ;) Was sagst du generell zu Vorurteilen gegenüber tätowierten Menschen?

Eigentlich nerven mich so ziemlich alle Vorurteile. Es gibt die typischen Vorurteile, dass tätowierte Menschen asozial sind, arbeitslos, gefährlich. Ich höre aber auch oft, dass ich auf jeden Fall kreativ sein muss, da ich Tattoos habe. Ach ja, ein Goth oder Grufti bin ich auch und höre nur Rock!

Ich habe, auch wenn es gar nicht zu mir passt, eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht und in dieser Branche gibt es quasi keine Tätowierten. Dort habe ich immer wieder das Gefühl gehabt, ich muss mich doppelt beweisen, weil ich eben tätowiert bin und deswegen nicht ins Bild passe. Auch gesagt zu bekommen, man soll es doch langsam lassen oder dass ich meine Tattoos verstecken soll, hat mir gar nicht gefallen. Deswegen arbeite ich auch nicht mehr in dem Beruf. Mit meinen Tattoos ist nichts falsch, sondern mit den Leuten, die solche Vorurteile haben. Das ist ja nur eine Form, wie ich mich ausdrücke, wie andere durch die Farbe ihres T-Shirts oder so. Das ist ja schwachsinnig, daran festzumachen, ob ich etwas gut kann oder nicht.

Ich glaube, am besten bekämpft man solche Vorurteile, indem man sich von ihnen nicht unterkriegen lässt. Präsenz zeigen und sich (und seine Tattoos) nicht verstecken! Sonst gibt man dem Feuer nur neuen Brennstoff. Man muss den Leuten die Akzeptanz quasi aufzwängen und irgendwann merken die dann, dass diese Vorurteile Schwachsinn sind. Das geht vor allem raus an Eltern in Supermarktschlangen: Nicht so komisch gucken. Niemand möchte eure Kinder essen!

Haha, richtig! Danke für deine Zeit, Lena.

Danke auch. Hat Spaß gemacht!

Lena trägt unter anderem Kunstwerke von Willi (Bold As Love Tattoo, Stuttgart) auf der Haut.

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