Risiken einer Infektion beim Tätowieren

Vor Kurzem stießen wir auf den Fall des 19-jährigen George Westwood, welchem aufgrund seines HIV-positiven Status das bereits angezahlte Tattoo verweigert wurde. Der Tätowierer entschuldigte sich zwar, jedoch traf es den jungen Mann wie ein Schlag ins Gesicht, besonders weil er auch keine weitere Erklärung dafür erhielt. Nachdem das Studio mit seinem Handeln konfrontiert wurde, erklärte dieses das Verhalten – mehr schlecht als recht übrigens. So erklärten sie, dass sie besondere Rücksicht bezüglich des Risikos einer Infektion durch möglichen Bluttransfer nehmen müssten. Des Weiteren teilte das Studio mit, dass es bei ihnen “allein im letzten Monat mehrere Vorfälle gab, bei denen Tätowierer sich selbst mit bereits benutzten Nadeln erwischten. Deswegen müssten sie diese Risiken besonders abwägen. Auch wenn man sehr vorsichtig und hygienisch arbeitet, kann so etwas immer mal passieren”. Gerade diese letzte Aussage bereitet uns Gänsehaut, da so etwas generell nicht – und sicherlich nicht mehrmals im Monat – vorkommen darf.

Im Folgenden stellen wir euch mögliche Risiken vor, die beim Tätowieren zu einer Infektion der Wunde führen können. Dazu gehören verschiedene Bakterien und Viren. Außerdem erfahrt ihr, worauf ihr im Tattoostudio achten solltet und warum hygienisches Arbeiten gerade dort für eure Gesundheit so wichtig ist.


Baktrielle Infektion

Bakterien sind Mikroorganismen – kleine Lebewesen mit einem eigenen Stoffwechsel. Auf jede Zelle eines menschlichen Körpers kommen circa zehn Bakterien, die am oder im Menschen leben. Beispielsweise im Darm sorgen Bakterien für die Abwehr von Krankheitserregern oder unterstützen die Verdauung. Aber nicht alle Bakterien sind unsere Freunde! Einige von ihnen sind Auslöser von Krankheiten und können gerade dann einfach in das menschliche System eindringen, wenn die Haut als natürliche Barriere beschädigt ist. Dies ist zum Beispiel beim Tätowieren der Fall. Ein paar Erreger, die mit Wundinfektionen in Zusammenhang stehen, stellen wir euch hier vor.

Staphylococcus aureus

Bei MRSA handelt es sich um den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus, auch bekannt als multiresistenter Krankenhauskeim. Dieser ist aufgrund seiner Resistenz gegen die üblichen Antibiotika zur Behandlung von Staphylokokken besonders gefährlich. Am häufigsten wird er über die Hände übertragen, weshalb Desinfektionsmittel, sterilisierte Arbeitsutensilien sowie Handschuhe beim Tätowieren absolut notwendig sind. Mögliche Krankheitserscheinungen bei einer MRSA-Infektion sind zum Beispiel Hautentzündungen oder eine Blutvergiftung.

Pseudomonas aeruginosa

Pseudomonas aeruginosa ist der in Deutschland am häufigsten auftretende Krankenhauskeim. Auch er weist Resistenzen gegen mehrere Antibiotika auf. Diese Bakterienart lebt dort, wo es feucht ist: Leitungswasser, Waschbecken, Toiletten, Spülmaschinen etc. Selbst in destilliertem Wasser und Desinfektionsmitteln kann dieses Bakterium überleben, wenn diese Flüssigkeiten mit organischen Substanzen verunreinigt sind. Deswegen ist der verantwortungsbewusste Umgang des Tätowierers mit sämtlichen Mitteln zur Desinfektion und Sterilisation ein Muss.

Escherichia coli

Escherichia coli ist Teil der menschlichen Darmflora und gelangt über Fäkalien nach außen. So kann es beispielsweise durch mangelnde Hygiene zu Wundinfektionen und Blutvergiftungen führen.

Virale Infektionen

Neben Bakterien bilden auch Viren eine Gefahr beim Tätowieren. Allgemein verbreitet ist die Auffassung, dass Viren außerhalb des Körpers nur kurze Zeit überleben. Dies ist in sofern falsch, weil Viren generell nicht zu den Lebewesen zählen, da sie keinen eigenen Stoffwechsel haben. Um sich zu vermehren benötigen Viren einen Wirt, dessen Stoffwechsel sie für sich nutzen können. Außerhalb eines Wirts vermehrt sich ein Virus somit nicht, kann jedoch dennoch über mehrere Tage hinweg infektiös sein – so zum Beispiel auch der HI-Virus. Häufig im Zusammenhang mit dem Tätowieren genannte Viren sind Hepatitis und HIV.

HIV

HIV ist die Abkürzung für das Humane Immundefizienz-Virus, welches unter anderem zu der Immunschwäche Aids führen kann. Eine Übertragung des Virus kann durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut oder Sperma erfolgen. In den Körper gelangt das Virus dann zum Beispiel über offene Wunden, wie eine Tätowierung, oder Schleimhäute (z.B. Bindehaut). Dank heutiger Medikamente können auch HIV-positive Menschen ein nahezu normales Leben führen – zumindest körperlich. Gesellschaftlich sind sie leider immer noch Vorurteilen und Diskriminierung ausgesetzt. Diese Diskriminierung ist meist nur mit Unwissenheit und irrationalen Ängsten begründet. Heutige HIV-Medikamente können die Vermehrung des Virus verhindern und senken somit das Risiko einer Infektion. Mittlerweile können HIV-Positive sogar auf natürlichem Wege Nachwuchs zeugen, ohne das Kind einem besonderen Infektionsrisiko auszusetzen.

Hepatitis

Die klassischen Hepatitis-Viren, welche beim Tätowieren relevant sind, sind Hepatitis A,B, C und D. Hepatitis D betrifft jedoch nur Menschen, die bereits mit Hepatitis B infiziert sind. Vorbeugende Impfungen existieren gegen Hepatitis A und B, wodurch man sich gegen eine Infektion mit Hepatitis A, B und D schützen kann. Eine Impfung gegen Hepatitis C (HCV) hingegen existiert bislang nicht, weshalb diese Form das größte Risiko darstellt. Eine Infektion mit HCV beim Tätowieren kann zum Beispiel durch verunreinigte Instrumente erfolgen. Eine solche Infektion kann zu einer chronischen Entzündung der Leber führen und erhöht somit auch das Risiko einer Krebserkrankung der Leber. Da das Virus durch Blut übertragen wird, ist es für einen Tätowierer unabdingbar, für jeden Kunden eine neue Nadel zu nutzen. Sollte ein anständiger Tätowierer sich unsicher sein, ob eine Nadel bereits benutzt wurde, wird er ohne zu zögern eine neue auspacken.


So viele Risiken! Was jetzt?

Die Antwort lautet klar: Keine Panik, aber Vorsicht. Die Hygiene-Standards im Bereich des Tätowierens sind in Deutschland hoch gesetzt und werden durch Institutionen wie das Gesundheitsamt regelmäßig geprüft. Dennoch solltest du nicht blind darauf vertrauen, sondern darauf achten, dass dein Tätowierer sauber arbeitet. Ein anständiger Tätowierer desinfiziert vor dem Tätowieren seinen Arbeitsplatz, seine Hände und die Haut des Kunden, um Keime abzutöten. Einige Materialien, wie zum Beispiel Nadeln oder Farbtöpfchen, werden für jeden Kunden gewechselt und sind steril verpackt. Andere Utensilien, wie Kabel oder Wasserflasche, werden öfter gebraucht und sind zum Schutz in Folie verpackt.

Falls das Studio einen ordentlichen Eindruck macht und auch der Tätowierer einen verantwortungsbewussten Umgang mit seinen Materialien zeigen, könnt ihr euch entspannen. Der Tätowierer selbst sollte einen gepflegten Eindruck machen und euch auf Nachfrage hin bezüglich seiner Hygiene-Standards aufklären können. Außerdem wird der Tätowierer sich in seiner Einverständniserklärung zuvor über deinen Gesundheitszustand erkundigen. Sollte all das der Fall sein, liegt das Risiko einer Infektion – sowohl für Kunden als auch Tätowierer – quasi bei Null.