Wannado, Flash oder Custom Tattoo? Wir erklären den Unterschied!

Wer den ein oder anderen Tattoo Artist online verfolgt, hat sicherlich schon einmal diese Begriffe gelesen: Wannado, Flash, Custom. Alles englische Begriffe, die unverändert in den deutschen Sprachgebrauch übernommen wurden – zumindest wenn es um Tattoos geht. Doch was genau unterscheidet zum Beispiel ein Wannado von einem Flash Design? Und was ist eigentlich ein Flash Sheet? Diese und weitere Fragen beantworten wir euch im Folgenden!

Custom Tattoos

Der Begriff “custom” stammt auf dem Englischen und bedeutet maßgeschneidert, kundenspezifisch oder selbsterstellt. Custom Tattoo nennt man also die Motive, die der*die Tätowierer*in speziell für eine*n Kund*in anfertigt. Üblicherweise meldet sich der*die Kund*in dafür mit einer groben oder ganz genauen Idee beim Tattoo Artist, woraufhin dieser ein einzigartiges und perfekt angepasstes Tattoo entwirft. Bei einem Custom Design wird das Motiv also genau auf den*die zukünftige*n Träger*in zugeschnitten und an die gewünschte Körperstelle angepasst.

Wannados

Der Begriff Wannado kommt ebenfalls aus dem Englischen und ist umgangssprachlich für “want to do” – zu Deutsch quasi “will machen”. Bei Tätowierer*innen sind Wannados also die Motive, welche sie gerne in nächster Zeit tätowieren würden. Dabei handelt es sich meist um Motive, auf die der jeweilige Artist einfach Lust hat, jedoch keinen Kundenwunsch dazu erhalten hat. Auf gut Glück bereitet der*die Tätowierer*in das Motiv dann einfach vor und bietet es anschließend online, im Studio oder auf Conventions als Wannado an. Wenn einem das Design gefällt, kann man sich dann bei dem*der Tätowierer*in melden und gegebenenfalls einen Termin vereinbaren!

Bei Wannados ist es in der Regel so, dass das vorbereitete Motiv ohne Abänderungen auf der Haut landet. Manche Artist bieten ab und zu jedoch zum Beispiel Optionen wie “schwarz-grau oder bunt” an. Auch die Größe des Motivs kann der Artist in den meisten Fällen noch anpassen, wenn es an eine bestimmte Körperstelle oder in eine spezielle Lücke passen soll. Doch grundsätzlich gilt, dass sich nicht jedes Wannado für jede Körperstelle eignet und keine Anpassung erfolgt.

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Rebecca Bertelwick (Kaninchenbau, Bochum) macht regelmäßig Wannado-Aktionen, bei denen sie an einem Tag gleich mehrere Motive hochlädt, die sie gerne tätowieren würde. – Foto: www.instagram.com/atelierkaninchenbau

Ein missverstandener Begriff

Da der Begriff “Wannado” ausdrückt, dass der Artist das besagte Motiv gerne tätowieren würde, kommt es jedoch immer wieder zu Missverständnissen. So kommt es vor, dass Kund*innen denken, ein Wannado wäre kostenlos oder extrem preiswert. Das ist jedoch in der Regel nicht der Fall – zumindest kostenlos ist ein Wannado nie. Etwas günstiger als ein aufwendig gestalteter Kundenwunsch, der auf einen bestimmten Körper maßgeschneidert wurde, ist ein Wannado aber in der Regel schon.

Übrigens scheint die Bezeichnung Wannado nur im deutschsprachigen Raum bekannt zu sein. Denn auf Englisch nennt man Wannados in der Regel Tattoo Flash, wobei “Flash” ursprünglich eine andere Bedeutung hatte, aber darüber mehr im folgenden Absatz. Dadurch ist es gerade bei englischsprachigen Artists nicht immer ganz eindeutig, ob es sich nun um Wannados oder Tattooflash handelt.

Flash

Bei Flash Sheets handelt es sich quasi um Poster, auf denen meist ein*e Künstler*in mehrere Motive gestaltet und zusammen arrangiert hat. Gesehen haben die meisten solche Flash Sheets wohl schon in verschiedenen Tattoostudios, wo sie traditionell die Wände zieren. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt wurde Flash in der Tattoo-Szene etabliert, wobei die Motive als tätowierbare Designs oder Inspiration dienen. Dabei handelt es sich in der Regel um Traditional oder Old School Motive.

Früher war es noch üblich, dass Flash von den im Studio tätigen Tätowierer*innen mit eigenen Motiven handgefertigt wurde. Heute hingegen gibt es diverse Flash Sheets oder sogar ganze Bücher voll mit Motiven professioneller Artists zu kaufen. Besonders beliebt sind auch heute noch Flash Sheets von bekannten Tattoo-Größen wie Sailor Jerry oder Don Ed Hardy.

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Auch sehr beliebt sind die Flash Sheets von “Mr. FlashMachine”. – Foto: www.instagram.com/mrflashmachine

Heutzutage kann man sich jedoch nicht mehr in jedem Studio sein Tattoo direkt “von der Wand” aussuchen. Dies ist meist nur noch in traditionellen “Street Shops” oder “Touristen-Studios” üblich. Dennoch findet man in fast jedem Tattoo Shop zahlreiche Bilder an der Wand – auch von Artists, die nicht im Studio arbeiten. Dabei handelt es sich häufig um “Art Prints”, welche nicht als Tattoo-Motiv, sondern gezielt als Kunstdruck angefertigt wurden. Diese erfüllen in erster Linie nur einen dekorativen Zweck und dienen nicht als Tattoovorlagen.

Im Gegensatz zu Wannados oder Custom Tattoos werden Motive von einem Flash Sheet gegebenenfalls mehrfach tätowiert. Gerade im anfänglichen Wachstum der Tattoo-Szene konnten so mehrere Laufkunden am Tag mit generischen Flash Tattoos bedient werden. Auch heute nutzen noch einige Tätowierer*innen Flash Sheets und entwerfen zusätzlich eigene Motive in ihrem eigenen Stil.

Für jeden was dabei!

Dank zahlreicher kreativer Tätowierer*innen sind die Möglichkeiten heute quasi unbegrenzt. Es gibt kaum eine Idee, die sich nicht in ein einzigartiges Tattoo-Motiv verwandeln lässt. Und auch wer keine explizite Idee hat, kann dank Wannados und Flash dennoch ein tolles Tattoo abgreifen!