Copycat Bullshit: “Dann darf man auch keine Disney Motive mehr stechen!”

In der Reihe “Copycat Bullshit” schreibt unser Autor Timo über die (stets schlechten) Ausreden von Tätowierer*innen, die sich der Kunst anderer bedienen, um damit schnelles Geld zu machen. So passiert es, dass Tätowierer andere dreist kopieren und auch mal bereits gestochene Motive eins zu eins nachstechen. Dabei wird weder vor einem Custom Design noch dem Copyright Halt gemacht.

Diesmal: “Dann darf man auch keine Disney-Motive mehr stechen!”

Abgesehen davon, wie irrsinnig es ist popkulturell verankerte Figuren mit künstlerischen Werken von Tätowiererinnen und Tätowierern zu vergleichen: Richtig, Disney-Motive darf man eigentlich nicht tätowieren. Zumindest nicht ungefragt im Original. Denn jede bekannte Kunstfigur in der Popkultur hat einen Urheber und ist somit geschützt. Ebenso wie ihr Name, der im Normalfall darüber hinaus markenrechtlich geschützt ist. Was allerdings erlaubt ist und unter das Grundrecht der Kunstfreiheit fällt, ist die Interpretation solcher Figuren. Jeder darf jede Figur neu interpretieren und sie zum Beispiel satirisch oder kritisch in einen neuen Kontext bringen, ohne dass der Urheber darauf Einfluss nehmen kann. Allerdings muss die kreative Eigenleistung bei einer Neuschöpfung auffällig hoch sein. So muss der Betrachter ohne Unterstützung sehen und verstehen, dass es keine einfache Ab- sondern eine Neubildung ist. Und der originale Name darf offiziell natürlich nicht als Titel benutzt werden.

So ist es richtig: Disneyfiguren neu interpretiert von Mike Friedrich. Kaufbar unter http://society6.com/mikefriedrich

“Aber manche kopieren die Figuren auch eins zu eins und schreiben nicht Walt Disney dran!”

Ja, auch das gibt es. Und mal abgesehen von der Rechtslage ist das natürlich etwas völlig Anderes, als einen anderen Tätowierer zu kopieren. Denn alle wissen, wenn sie ein Donald Duck oder ein Pikachu Tattoo sehen, dass der Tätowierer diese Figur nicht gerade erfunden hat. Anders sieht es da jedoch bei kopierten Tattoos aus. Da gehen die Betrachter davon aus, dass das Werk vom Tätowierer selbst entworfen wurde. Man schmückt sich mit einer fremden Leistung und täuscht somit auch seine Kunden.

Der Unterschied zwischen Inspiration und Imitation

Wenn dein Kunde ein Motiv eines Animes, Comics, Films oder einer sonstigen popkulturellen Figur möchte, gibt es mehrere Wege zum perfekten Tattoo. Was zum Beispiel Maret Brotkrumen in solchen Fällen tut: Film schauen, sich mit der Concept-Art des Originals beschäftigen und mit dieser Grundlage einen ganz eigenen Entwurf anfertigen. Fan-Art. Dies bedeutet kein stumpfes Abpausen und Nachzeichnen, sondern sich inspirieren lassen, um bestenfalls etwas komplett Eigenständiges zu kreieren.

Was allerdings gar nicht geht, ist der folgende Fall: Die Tätowiererin “Pömme” hat sich nicht am Original orientiert, sondern einfach an der Interpretation bzw dem Fan-Art von Maret. Somit bediente sie sich an der Kreativleistung einer anderen Tätowiererin und gibt Marets Neuinterpretation einfach als ihre eigene aus.

Aktuelles Beispiel für eine dreiste Kopie.

Zusammenfassend sollte man sich bei Tattoos mit popkulturellem Hintergrund an folgende Dinge halten:

1. Wenn dein Kunde ein Disney-Motiv möchte, durchsuche nicht Pinterest nach Bambi und paus ihn ab. Versuche hingegen lieber den Charakter neu zu interpretieren und ihn in deinem eigenen Stil umzusetzen. Erschaffe etwas Einzigartiges für deinen Kunden, ohne einfach nur das Original zu kopieren.

2. Angenommen ein*e Kund*in wünscht sich den Charakter wie im Original und ohne die kleinste Veränderung. Solltest du diesen Auftrag annehmen und am Ende mit deiner Arbeit so zufrieden sein, dass du das Tattoo veröffentlichen willst, schreib am besten “Kundenwunsch” hinzu, damit es dir keiner als Kopie unterstellt. Wichtig hierbei ist jedoch die Unterscheidung zwischen originalen Zeichnungen des bekannten Urhebers und Fan-Art. Denn Fan-Art stammt in der Regel nicht aus der Feder eines weltberühmten Zeichners und sollte dem Urheber auch klar zugeordnet werden können. Falls man Fan-Art tätowieren möchte, dann am besten mit der Erlaubnis des Urhebers und einer namentlichen Nennung dessen bei Veröffentlichung.

3. Mach es wie Maret: Beschäftige dich mit dem Charakter und ihrem oder seinem Universum. Wodurch zeichnet es sich aus? Was will der Urheber mit dem Charakter ausdrücken oder erreichen? Interpretiere sie oder ihn für dich neu und erschaffe für deine Kunden etwas Außergewöhnliches, das man stolz präsentieren kann: Fan-Art.