Tschüss, ungeliebtes Tattoo! – Cover Up oder Touch Up?

Verwackelte oder verlaufene Linien? Verblasste Farben? Ein ungeliebtes Motiv? Eine ungünstige Platzwahl? Du hast dem falschen Tätowierer vertraut? Was auch immer der Grund dafür sein mag, dass du unzufrieden mit deinem Tattoo bist, es muss nicht so bleiben! Denn zum Glück gibt verschiedene Möglichkeiten, um deine Tätowierung so zu bearbeiten, dass du wieder damit zufrieden sein kannst. Dazu gehören zum Beispiel das Lasern, ein Cover Up oder ein Touch Up. Welches dieser Mittel nun das richtige für dich ist, hängt ganz davon ab, warum du mit deinem Tattoo unglücklich bist.

Das Tattoo muss weg!

Falls du mit dem Motiv oder seiner Platzierung völlig unzufrieden bist, gibt es die Möglichkeit es lasern zu lassen. Dabei werden die in der Haut eingelagerten Farbpigmente so stark erhitzt, dass sie zerfallen. Anschließend können sie dann über das Lymphsystem abtransportiert werden und die Tätowierung ist im Optimalfall nicht mehr zu sehen. Einen ausführlicheren Artikel über die Funktionsweise des Laserns, findest du hier.

Cover Up

Die Platzierung des Tattoos findest du zwar gut, doch das Motiv an sich gefällt dir überhaupt nicht mehr? Dann könnte ein Cover Up die richtige Lösung für dich sein! Denn bei einem Cover Up wird das vorhandene Tattoo quasi unter einer neuen Tätowierung versteckt. Doch das ist einfacher gesagt als getan, denn je nachdem, wie das zu covernde Tattoo aussieht, schränkt das die Möglichkeiten des Tätowierers stark ein. So kann es in vielen Fällen hilfreich sein, das Tattoo vor dem Covern einmal mittels Laser aufhellen zu lassen. Sogar wulstige Narben können zuvor mithilfe einer Laserbehandlung vermindert oder gar komplett entfernt werden.

Einfach schwarz drüber? Das muss nicht sein!

Für ein gutes Cover Up muss der Tätowierer nicht zwingend eine schwarze Fläche über das alte Motiv packen. Ganz im Gegenteil: Genau diese Methode funktioniert häufig nicht sonderlich gut und das alte Tattoo scheint im Nachhinein oftmals durch. Generell gibt es verschiedene Ansätze, um das alte Motiv zu verdecken, wobei da jeder Tätowierer seine eigene Vorgehensweise hat. Wir haben für euch einmal bei Dea Vectorink nachgefragt, wie sie ein Cover Up ausarbeitet und welche Faktoren dabei wichtig sind.

Dea Vectorink:

“Cover Up Motive sind leider meistens kein Wunschkonzert, da wir uns in einem sehr engen Möglichkeitsbereich bewegen. Im Prinzip gibt mir das alte Tattoo vor, was als Motiv möglich ist. Bei sehr dunklen Tätowierungen kann ich zum Beispiel nicht mit einem weißen Kaninchen covern – da läuft es meist auf einen Vogel hinaus. Ich gebe mir immer sehr große Mühe Motive zu entwickeln, mit denen der Kunde dann auch wirklich happy ist. Ein Cover Up sollte nicht nur ein Kompromiss sein, sondern das neue Lieblingstattoo werden!

Per se bewege ich mich bei Cover Ups am liebsten im Tier- und Pflanzenbereich, da ich beim Covern lieber Struktur als Fläche verwende. Mit vielen neuen Linien und Texturen kann man nämlich gut von alten Linien Ablenken. Das ist insbesondere bei Schriftzügen notwendig, da unser Gehirn darauf getrimmt ist Buchstaben zu erkennen. Hier hilft es auch durch starke Kontraste oder das Setzen neuer Schwerpunkte das Auge abzulenken. Am besten bedient man sich beim Covern auch der gesamten Kontrastpalette: Hell/Dunkel, Groß/Klein, Kalt/Warm, Fläche/Struktur.

Links: Das zu covernde Tattoo / Rechts: Das Tattoo mit Stencil (Fotos: Dea Vectorink)
Links: Das zu covernde Tattoo / Rechts: Das Stencil des neuen Motivs (Fotos: Dea Vectorink)
Cover Up von Dea Vectorink
Links: Die Outlines lassen noch einen letzten Blick aufs alte Tattoo zu / Rechts: Doch durch die Schattierungen verschwindet das alte Motiv fast komplett (Fotos: Dea Vectorink)

Beim Beispiel-Projekt habe ich mit den Strukturen der Haare, den Blättern der Chrysantheme und den Federn der Vögel das alte Motiv kaschiert, sowie durch das Frauengesicht einen neuen Anziehungspunkt für das Auge geschaffen. Deshalb fällt das alte Motiv kaum noch auf.

Das fertige Cover Up: Vom original Tribal ist nach dem Stechen der Farben nichts mehr zu erkennen. (Fotos: Dea Vectorink)
Das fertige Cover Up: Vom ehemaligen Drachen ist nach dem Stechen der Farben nichts mehr zu erkennen. (Foto: Dea Vectorink)

Manche Tätowierungen lassen sich aufgrund von Platzierung und Größe kaum Covern. Ein sehr dunkles, massiv gestochenes und vollflächiges Tattoo auf dem Fuß ist beispielsweise kaum zu covern, da man meistens ein bisschen Platz für neue Elemente benötigt. Auch sollte das neue Motiv trotzdem zur Anatomie des Trägers passen. Wenn zum Beispiel auf dem Dekolletee ein sehr großes Tattoo prangt, was verschwinden soll, die Person aber sehr zierlich ist und eher kein Interesse an einem sehr massiven Cover Up hat, dann muss man zu anderen Mitteln greifen.

Die Tattooentfernung mittels Laser ist inzwischen so fortgeschritten, dass man auch nur die „störenden” Teile entfernen kann, um die Kosten für die Vorarbeit minimal wie möglich zu halten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kunden das Lasern vehement ablehnen, was sicherlich auch psychologische Gründe hat. Finanziell ist es nicht immer ein Mehraufwand, da durch das Aufhellen mittels Laser oft das Cover Up Motiv kleiner ausfallen und so gespart werden kann.”

Nur ein wenig aufpolieren?

Solltest du das Motiv und dessen Platzierung an sich mögen, doch das Erscheinungsbild stimmt nicht ganz mit deinen Wünschen überein, könnte ein Touch Up deine Lösung sein. Bei einem Touch Up geht es nämlich nicht darum, das bereits vorhandene Motiv unkenntlich zu machen.

Wie der Ausdruck bereits vermuten lässt, geht es vielmehr um das Aufarbeiten oder Aufwerten eines bereits vorhandenen Tattoos. Denn solange dir das Motiv und dessen Platzierung an sich noch gut gefallen, muss es nicht unbedingt verschwinden. So können zum Beispiel verschwommene Linien, verblasste Farben oder verloren gegangene Details aufgefrischt und überarbeitet werden. Auch ein neuer Rahmen oder Hintergrund könnte den Gesamteindruck deiner Tätowierung aufbessern. Falls euer Tattoo an sich gut gestochen ist, geht ihr für euer Touch Up am besten wieder zum selben Künstler. Dieser wird sich der Sache bestimmt gerne annehmen und seiner alten Arbeit neuen Glanz verleihen wollen.

Tatsächlich gibt es beim Touch Up keine klare Vorgehensweise, sodass dein Tätowierer das Motiv ganz individuell für dich anpassen kann. Auch hier haben wir noch einmal bei Dea nachgefragt. Sie ist der Meinung, dass Touch Ups generell eine schwierige Sache sind, da man eben mit dem Grundgerüst eines anderen arbeiten muss. So hat man nicht komplett freie Hand und kann seinen eigenen Stil nur schwer einbringen: “Ich überarbeite zwar gern alte, ungeliebte Sachen nach Möglichkeit, schlage aber meistens vor, noch einiges Neues hinzuzufügen, um ein vernünftiges Ergebnis zu haben.”

Aus alt mach neu

Auch Jukan geht bei einem Touch Up ähnlich wie Dea vor und bringt neue Elemente in das bereits vorhandene Motiv ein. Wir zeigen euch hier als Beispiel einmal das Tattoo seiner Kundin Saskia, welches sie als Andenken aus Japan mitgenommen hat. Das tätowierte Symbol ist ihr wichtig, aber leider ist das Tattoo an sich ziemlich schief gegangen. Aus diesem Grund hatte sie Jukan gesagt, dass er es ruhig komplett covern könne.

Touch Up von Jukan
Um das Motiv zu überarbeiten, zeichnet Jukan seine Änderungen zunächst Freihand auf. (Foto: Jukan)
Da das Motiv jedoch zentriert zwischen ihren Schulterblättern liegt, wäre es schwierig geworden, den Bildmittelpunkt zu verlagern, ohne ein riesiges Tattoo daraus zu machen. Deshalb entschieden die beiden sich dazu, das Tattoo einfach zu überarbeiten und etwas aufzuhübschen!

Touch Up von Jukan
So sieht Saskias neues altes Tattoo aus, nachdem Jukan das ganze mit schwarz überarbeitet hat. (Foto: Jukan)
Ein altes Motiv – etwas aufpoliert und in einen hübschen, neuen Rahmen gepackt. So kann man aus einem ungeliebten Tattoo eine neue Version seiner selbst machen, die sich sehen lassen kann!

Touch Up von Jukan
Einen letzten Schliff verleiht Jukan der Tätowierung mit etwas Farbe! (Foto: Jukan)

Alles wird gut!

Dank zahlreicher Methoden lässt sich heutzutage also beinahe jedes Tattoo entfernen, verdecken oder überarbeiten. Je nach Größe, Farbe oder Vernarbung des Tattoos kann sich dieser Prozess jedoch über Monate bis Jahre hin ziehen. Deshalb sollte man lieber vorab Zeit investieren und versuchen, sich durch ausgiebige Recherche vor einem schlechten Tattoo zu schützen. Doch auch bei guter Recherche kann jeder mal an ein schwarzes Schaf geraten oder die Freude am Tattoo verlieren. Auch wenn ein Tattoo eigentlich permanent ist, musst du nicht dauerhaft unglücklich damit bleiben. Nimm die Sache in die Hand und mach dich auf die Suche nach einem guten Artist, der sich dir und deinem Tattoo annimmt!

Und lass dich nicht entmutigen, falls du nicht sofort eine Zusage für dein Cover Up bzw. Touch Up bekommst. Da eben jeder Tätowierer eine andere Vorgehensweise hat, kann auch nicht jeder etwas mit deinem Tattoo als Grundlage anfangen. Außerdem gehören Cover Ups nicht unbedingt zum Standard-Repertoire eines Artists, weshalb einige keine Erfahrung damit haben oder solche Projekte grundsätzlich ablehnen. Doch mit etwas Zeit und Geduld findest sicherlich auch du jemanden, der dein Tattoo in einen neuen Favoriten verwandeln kann!