Pro-Artist von “Believa” tätowiert Nazi-Motive – Unternehmen reagiert mit Stellungnahme

Update:
12.04.19, 10 Uhr – Eingang der Stellungnahme von Believa
12.04.19, 12 Uhr – Veröffentlichung der Stellungnahme


Ursprünglicher Beitrag:

Am Mittwoch erreichte uns eine Nachricht über einen Tätowierer, der kürzlich ein Realismus-Portrait der nationalsozialistischen Propagandafigur Erwin Rommel veröffentlicht hat. Dieser galt als enger Vertrauter und „Lieblingsgeneral” des Diktators Hitler, womit ein solches Tattoo klar der rechtsradikalen Szene zuzuordnen ist. Selbstverständlich sehen wir das Tätowieren solcher Nazi Motive als ein entschiedenes Statement an. Besonders das Veröffentlichen solcher Motive zeigt eine deutliche Positionierung des “Künstlers”.

Keine Namensnennung und keine Werbung

Besagter Tätowierer arbeitet in einem als “Nazi-Studio” bekannten Tattoo Shop in Ketsch – eine kleine Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis. Wenn man den Tätowierer oder das Studio in der Suchmaschine eingibt, finden sich zahlreiche Artikel, die diese in Zusammenhang mit Nazis bringen. Auch liest man über den Tätowierer, dass er der neonazistischen Vereinigung Hammerskins angehöre und als “Nazi-Pöbler am Ballermann” unterwegs gewesen sei. Dort hielt eine Gruppe von Neonazis während des Auftritts von Mia Julia eine Reichsflagge hoch und rief “Ausländer raus!”. Ja, während sie selbst im Ausland waren. Auf Fotos ist zu sehen, dass auch besagter Tätowierer wohl Teil dieser Gruppe war, wobei man ihn anhand seiner Tattoos erkennen kann. Da wir solchen Menschen keine Plattform bieten möchten, überlassen wir euch den Schritt, selbst einmal kurz die Suchmaschine anzuwerfen. Auf eine namentliche Nennung verzichten wir auf unserer Website, um seinem potentiellen Klientel nicht über Google zu ihrem “Traum-Tattoo” zu verhelfen.

Unter dem Deckmantel der Kunst

Als Bildunterschrift für sein Erwin Rommel Tattoo wählte der Tätowierer folgendes: “i don’t care, it’s Art”. In den Bildunterschriften seiner anderen nationalsozialistischen Motive entdeckt man Hashtags wie “#waffenss”, “#wehrmacht” und “#kampf”. Lächerlicherweise übrigens auch “#trueartists”. Im heutigen Zeitalter lässt sich das Tätowieren einer solchen Persönlichkeit sicherlich nicht mit “Kunst” rechtfertigen. Auch das “i don’t care” kaufen wir ihm nicht ganz ab, zumal es ohnehin ein völlig verwerfliches Statement ist. Hinzu kommt, dass besagter Tätowierer offensichtlich selbst Unterstützer der rechtsradikalen Szene ist.

Die Kommentare unter dem Erwin Rommel Tattoo sind eindeutig (“klaSSe”). Auch die Unternehmen Believa oder Inqualizer scheinen augenscheinlich nichts gegen nationalsozialistische Motive zu haben. Der Kommentar von Believa wurde später gelöscht.

Pro Artist – gesponsert von Believa

Nun ist ein Nazi-Tätowierer sicher keine Neuheit und hat auch keine Presse verdient. Dennoch finden wir es in diesem Fall wichtig, darauf aufmerksam zu machen. Denn das Düsseldorfer Kosmetik-Unternehmen “Believa”, oder besser gesagt deren Ableger für Tattoo-Produkte, listet diesen Tätowierer als einen ihrer “Pro Artists”. Somit erhält der “Artist” vom Hersteller Support in Form einer Nennung auf ihrer Website und ihren sozialen Medien, womit sie für ihn werben. Darüber hinaus bekommt er erfahrungsgemäß die Produkte des Unternehmens kostenlos oder zumindest sehr vergünstigt zur Verfügung gestellt.

Auf ihrer Website listet Believa die "Pro Artists" auf. Die Unkenntlichmachung des genannten Tätowierers ist natürlich von uns.
Auf ihrer Website listet Believa die “Pro Artists” auf. Die Unkenntlichmachung des genannten Tätowierers ist natürlich von uns.

Keine Stellungnahme

Um eine Stellungnahme haben wir Believa auf zwei Wegen gebeten und keine Antwort erhalten. Das finden wir nicht nur schade, sondern deuten dies im Sinne von “keine Antwort ist auch eine Antwort”. Wir möchten dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern keineswegs vorwerfen, dass sie selbst rechts sind, aber eine gezielte Untersützung eines solchen Tätowierers ist eben auch eine Unterstützung der rechten Szene. Ganz nach dem Motto: “Mit unseren Produkten kann auch dein Erwin Rommel eine perfekte Pflege genießen und lange strahlen, wie unser Pro Artist hier zeigt!”

Dass keine klare Stellungnahme und damit einhergehende Distanzierung sowie Entfernung des Tätowierers als “Pro Artist” stattfand, haben wir nicht erwartet. Ein solcher Faux-pas darf bei einem Tätowierer, zu dem man selbst bei einer nur fünf-minütigen Google-Suche einschlägige Ergebnisse findet, nicht passieren. Sollte es doch geschehen, muss ein Unternehmen schnellstmöglich reagieren, Stellung beziehen und seinen Fehler einräumen. Dass dies nicht passiert ist, empfinden wir als sehr bedenklich.

Danke an euch!

Abschließend möchten wir uns noch bei euch als Community bedanken, die uns in dieser Sache tatkräftig unterstützt hat. Viele Leser*innen und auch Tätowierer*innen waren dankbar für diese Informationen und gaben uns Zuspruch. Danke, dass ihr nicht wegseht und euch empört, denn so sollte es sein! Zum einen schrieben uns eine Menge Künstler*innen, dass sie die Marke von nun an boykottieren würden. Zum anderen erfuhren wir auch von einer Instagram Influencerin, dass sie ihre angehende Kooperation mit Believa unverzüglich abbrach, als sie von unseren Recherchen erfuhr.

Die Tattoo-Szene steht gerade wegen solcher Tätowierer und Nazis öffentlich immer noch häufig in schlechtem Licht da. Dass wir diese Menschen nicht als Teil “unserer” Tattoo-Szene sehen und deren Arbeiten klar von unserer Vorstellung von Kunst ausschließen, ist somit klar.


Nachtrag

12. April 2019, 10:18 Uhr

Soeben erreichte uns eine Stellungnahme von Tino Sondermann, dem Geschäftsführer von Believa. Leider nach unserer sehr zuvorkommend gesetzten Frist. Der Tätowierer wurde von kommenden Veranstaltungen ausgeschlossen und es wird das “Gespräch” gesucht. Wir veröffentlichen die ganze Stellungnahme zeitnah, nachdem wir sie ausgewertet haben.


Nachtrag 2

12. April 2019, 12:00 Uhr – Stellungnahme von Believa

Den Namen des Tätowierers haben wir aus der Stellungnahme entfernt. Abgesehen davon geben wir die Stellungnahme unverändert wieder:

“[Tätowierername] ist seit gut einem Dreivierteljahr in unserem Pro-Artists Team.

Der persönliche Kontakt zu Ihm war bisher stets professionell und wir haben Ihn beim Besuch seines Tattoo Studios, welches Gast-Tätowierer aus aller Welt beherbergt, als sehr unternehmerischen und zuvorkommenden Menschen erlebt.

Das war für uns ausschlaggebend, sein Team, und Ihn als Pro-Artist, zu unterstützen.

Dazu müssen wir gestehen, das wir im Aufnahme Prozess für Pro-Artists keine weitreichenden “Background Checks” durchführen und uns so natürlich Leichen der Vergangenheit, wie bei [Tätowierername] zu finden, entgehen.

Sicherlich wäre [Tätowierername] dann kein Pro-Artists bei uns geworden und wir würden uns jetzt nicht damit konfrontiert sehen, ins Rechte Licht gerückt zu werden.

Das [Tätowierername] teils sehr fragwürdige Motive des dritten Reichs tätowiert hat, war uns bisher nicht bekannt und ist erst durch Ihre Mitteilung in allen Bereichen unseres Unternehmens angekommen.

Sie haben recht das Erwin Rommel von einem unserer Mitarbeiter ohne unser Wissen kommentiert wurde, dieser Mitarbeiter, der auch noch polnischer Abstammung ist, hat diesen aber schnell wieder gelöscht, weil er schon geahnt hat, das dies nach hinten los gehen kann. Unser Mitarbeiter hat uns gesagt, das er Rommel nicht als Nazi Größe gesehen hat, sondern als Wortlaut: “fähigen Wüstenfuchs General der vom Regime als Propaganda Instrument benutzt wurde.”

Nun gut, wir wissen alle das solche Motive natürlich auch gerne von Leuten mit einer viel radikaleren Gesinnung getragen werden.

Wir als Unternehmen distanzieren uns natürlich voll und ganz zum Rechtsradikalismus und sehen uns nun gezwungen zu handeln.

Dieses Wochenende wäre [Tätowierername] eigentlich als Pro-Artist auf unserem Stand bei der 27. Internationalen Tattoo-Convention in Frankfurt zu sehen gewesen.

Wir haben Ihn erst einmal bis auf weiteres von unseren Veranstaltungen ausgeschlossen und führen in den nächsten Tagen ein persönliches Gespräch mit Ihm um zu schauen wie es weitergeht.”

– Tino Sondermann, Geschäftsführer Believa GmbH